FAQ – Wozu der Quatsch?

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Woher kommt der Name Zero Waste?

Zero Waste bezeichnet die Bewegung, die es anstrebt, in ihrem Haushalt überhaupt keinen Müll mehr anfallen zu lassen. Das verlockende an der englischen Terminologie Zero Waste ist, dass `Waste´ sowohl Müll, als auch Verschwendung bedeutet. Beides  bedingt sich gegenseitig. Verschwendung macht Müll und Müll ist Verschwendung.

Wieso solltest du deinen Müll reduzieren?

Alles was in deinem Mülleimer landet, musste vorher produziert und transportiert werden. Nachdem es dort landet ist es auch nicht weg. Er muss wieder transportiert und im besten Fall recycelt werden. Jeder einzelne Schritt in dieser Kette verbraucht Energie. Und je höher unser Energieverbrauch ist, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir unseren Energiebedarf vollständig mit erneuerbaren Energien decken können. Wer also wieder einmal über Kohle- und Atomkraftwerke schimpft, weiß hier, was er selbst dagegen tun kann.

Alles was produziert werden muss, besteht zudem aus Rohstoffen, die gefördert werden wollen. Die Förderung geschieht in den meisten Fällen auf Wegen, die für die Umwelt und das lokale Ökosystem schädlich sind. Erdöl, der Grundstoff für Kunststoff, zum Beispiel, verursacht häufig Ölkatastrophen mit den bekannten Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt. Die Gewinnung von Aluminium hinterlässt zerstörte Landschaften, Tonnenweise deponierten Rotschlamm, der weitere Umweltprobleme verursacht und eine Menge CO².

Auch sind die meisten Rohstoffe endlicher Natur. Das heißt irgendwann sind alle Vorkommen aufgebraucht. “Seltene Erden”, die vor allem in elektronischen Geräten wie Handys Verwendung finden, tragen schon im Namen das Problem. Zudem kommen hier häufig noch ausbeuterische und gesundheitsschädigende Zustände für die abbauenden Arbeiter.

Je weniger also in deinem Mülleimer landet, desto weniger Anteil hast du an diesen schädlichen Auswirkungen auf Mensch und Natur.

Aber wir haben doch ein funktionierendes Recyclingsystem?

Theoretisch stimmt das. Praktisch weiß ein Großteil der Bevölkerung aber immer noch nicht, was genau in den Gelben Sack rein gehört und was nicht. Viele von uns trennen sogar überhaupt keinen Müll.

Mülltransport und Recycling verbraucht ein hohes Maß an Energie.

Rohstoffe wie Kunststoff können nur ein paar Mal wiederaufbereitet werden. Danach sind sie Restmüll.

Verbundverpackungen wie Tetra Packs bestehen aus so vielen verschiedenen so gut miteinander verbundenen Rohstoffen, dass sich eine Trennung einfach nicht lohnt.

Ein großer Teil des Gelben Sackes wird gar nicht recycelt, sondern schlichtweg verbrannt, da das oft lukrativer ist.

Das Recyclingsystem kann nur greifen, wenn der Müll auch im richtigen Mülleimer landet. Wer sind in Parks, an Straßenrändern, auf Plätzen und Flusspromenaden man genauer umschaut, wird sich wundern wie viel von all dem noch nicht einmal in einem Mülleimer landet, geschweige denn im richtigen.

Welcher Müll ist Müll?

Wenn ich von Müll spreche, dann meine ich vor allem die Dinge, die aus nicht erneuerbaren Ressourcen bestehen und nicht biologisch abbaubar sind. Also Kunststoff, Restmüll und Sondermüll. Biomüll gilt nach dieser Definition nicht als Müll, da er aus nachwachsenden Stoffen besteht und rückstandsfrei wieder zu reinster Blumenerde wird.

Was ist mit Papier?

Papier und Pappe stehen zwischen den Stühlen. Sie stammen aus nachwachsendem Holz, ihr Abbau schadet der Umwelt nicht und sie sind biologisch abbaubar. Aber auch das muss man differenziert betrachten. Denn Papier wird nicht nur aus reinem Holz hergestellt. Es kommen noch Bleichmittel und Druckerfarbe hinzu. Beides ist der Umwelt nicht sonderlich zuträglich. Papier gibt es zwar auch ungebleicht, es kann recycelt werden und auch mit umweltfreundlicher Tinte bedruckt werden, aber das geschieht nur selten. Denkt doch nur mal an euren eigenen Papierverbrauch.

Und dann gilt auch mal wieder Punkt 2.: Alles was produziert wird…. Es macht also auch Sinn, Papier einzusparen was nur geht und auf Herkunft und Verarbeitung zu achten.

Warum ist Kunststoff so verschrien?

Die Kunststoffproduktion hat unsere Welt revolutioniert. Nahezu alles kann aus Kunststoff hergestellt werden, kostengünstig und gewichtsoptimiert. Das ist die Erfolgsgeschichte von Kunststoff. Mit schweren Folgen. Denn Kunststoff ist so gut, dass er einfach nicht zerfällt, selbst nach 100 Jahren nicht. Er mag zwar in kleinste Partikel zerfallen sein, aber da ist er immer noch.

Und Kunststoff ist überall. Geh doch mal in den deinen gewohnten Supermarkt und suche Produkte die keinerlei Plastik enthalten. Wenn du Glück hast, bekommst du noch eine Packung Salz.

Wir haben zwar ein gutes Recyclingsystem, aber ein erschreckend großer Teil an Kunststoffen gerät in die Landschaft. Entweder verwest er vor Ort oder er wird weiter getragen, von Wind und Wetter bis in den nächsten Fluss. Jeder Fluss fließt ins Meer und trägt die Plastikteilchen mit sich. In unseren Ozeanen treiben bereits jetzt riesige Teppiche aus Kunststoffmüll umher. Und damit nicht genug. Tiere, sowohl an Land, als auch im Wasser und in der Luft verwechseln die Teilchen mit Nahrung und fressen sie. Viele Tiere sterben an zu viel Plastikteilen im Magen. Wer sich ein Bild davon machen möchte, kann sich den Film Midway von Chris Jordon anschauen. Es gibt kaum noch einen Meeresbewohner, die keine Kunststoffpartikel im Magen haben. So landet unser Müll dann am Ende auch wieder auf unserem Teller.

Neben den Auswirkungen des Endproduktes hat auch die Förderung der Rohstoffe, nämlich Erdöl, belastende Auswirkungen auf die Umwelt. Da wir für unsere Technik keine 100%ige Sicherheit haben, kommt es immer wieder zu Unfällen mit Öltankern oder Bohrinseln. Das Öl läuft ungehindert ins Meer, verseucht Küstenstreifen und verklebt Vögel und Meeresbewohner, die qualvoll daran verenden.

Selbst wenn alles gut läuft: Das Erdöl stellt gebundenes CO² dar. Wird es gefördert und nach der Nutzung als Müll verbrannt entweicht das CO² in die Atmosphäre und tut dort ihren Beitrag zur Klimaerwärmung.

Und zu guter Letzt ist Erdöl eine endliche Ressource. Die Förderung wird immer teurer und immer riskanter und irgendwann ist es einfach weg. Ein frühzeitiges Umdenken ist wohl mehr als sinnvoll.

Was ist mit Bio-Plastik

Einen Ausweg aus dem Schlamassel verspricht das Bio-Plastik. Aber was ist das eigentlich genau? Es gilt zwei Eigenschaften zu unterscheiden. Solches Plastik, das aus nachwachsenden Rohstoffen, zum Beispiel Mais, hergestellt wurde und somit nicht auf Erdöl basiert. Und solches, das biologisch abbaubar ist. In vielen Fällen sind beide Eigenschaften gegeben. Das klingt erst mal gut, hat aber leider mehr als einen Hacken.

Der Grundstoff für diesen Bio-Kunststoff muss auf Agrarflächen angebaut werden. Würden wir unseren gesamten jetzigen Kunststoffverbrauch spontan auf Bio-Kunststoff umstellen, hätten wir nichts mehr zu essen. Die Welt reicht als nicht aus, um uns alle mit nachwachsender Frischhaltefolie zu versorgen.

Und auch bei der Abbaubarkeit stimmt die Theorie mit der Praxis nicht wirklich überein. Unter Laborbedingungen ist dieser Kunststoff zwar in der Tat biologisch abbaubar, solche Idealbedingungen sind aber weder in unseren Kompostieranlagen, noch am Seitenstreifen der Autobahn gegeben. Landen sie im Biomüll, zum Beispiel, weil sie als biologisch abbaubare Tüte für den Kompostmüll verkauft wurden, werden sie mit hohem Aufwand heraus sortiert und doch wieder in den Restmüll gegeben.

Fazit: Ohne Plastik ist wohl doch besser.

Was ist an Verpackungen so schlecht?

Eine sehr beliebte Erkenntnis der Kinder, wenn sie meine Kunststoffflasche zum Wassersprudeln sehen: Aber die ist doch auch aus Plastik?! Und damit haben sie natürlich recht. Ein Leben ohne Plastik kann ich mir leider auch noch nicht vorstellen. Aber es gibt Unterschiede. Besonders relevant sind hier die Lebensdauer und die Anwendung. Die Wasserflasche kommt zum einen mehrere Jahre zum Einsatz und hilft mir zum anderen auch noch, Plastik einzusparen.

Bei Verpackungen verhält es sich genau anders herum. Du packst deine Lebensmittel aus und die Verpackung landet im Müll. Die Lebensdauer einer Plastiktüte ist noch geringer. Sie reicht gerade mal von der Kasse bis zum Küchentisch. Je kürzer die Lebensdauer von Plastik, desto unverhältnismäßiger ist sein Einsatz.

Warum ist so vieles in Plastik verpackt?

Verpackungen vollkommen zu verbannen mag utopisch klingen, aber wieso können sie nicht aus Papier sein? Wieso müssen Salz, Reis und Kichererbsen wirklich in Kunststoff eingeschweißt werden? Ich fürchte die Antwort ist auch mir ein Rätsel.

Wenn du aber doch die Wahl hast, entscheide dich für den Pappkarton und lass das Kunststoffverpackte im Regal stehen. Nur so kann man dem Handel zeigen, was der Kunde sich wünscht.

Was macht die dünne Folie um meinen Reis schon aus?

Es stimmt, die dünne Folie um den Reis wirkt wirklich nichtig, schaut man sich in indischen Straßen um oder bedenkt man, wie viel CO² die Formel 1 bei jeder Runde zum Spaß in die Luft pumpt. Eine Reispackung ist nicht viel, aber es bleibt eben nicht bei dieser Reispackung. Wenn du einmal all die Müllsäcke aufeinanderstapeln würdest, die bei dir in einem Jahr anfallen , könntest du dir daraus ein Einfamilienhaus bauen.

Und wenn wir Indien und die Formel 1 schon nicht ändern können, so können wir zumindest uns selbst ändern. Und da fängt es an. Wenn Deutschland erst Müll frei ist, wird das schon abfärben.

Das verstehe ich ja alles, aber wo fange ich nur an? Es ist doch wirklich alles aus Plastik.

Wenn du daran interessiert bist, deinen Müll ebenfalls zu reduzieren, dann überfordere dich nicht gleich. Gib dir Zeit und honoriere, dass jedes Bisschen eingespartes Plastik, ein gutes Bisschen ist. Denk daran: Ich habe im Frühling 2013 angefangen und habe immer noch nicht alle Probleme gelöst.

Such dir nicht das aus, was dir am schwersten fällt und stell dich hin und sag: Nein, darauf kann ich niemals verzichten! Sondern fang mit dem einfachsten an: Lasse immer mehr Plastiktüten weg oder steige auf Haarseife statt Shampoo um. So bekommst du immer wieder kleine Erfolgserlebnisse und kannst beobachten, wie du immer seltener den Müll rausbringst.

Ich würde gerne, aber ich habe für sowas keine Zeit!

Manche Dinge brauchen viel Zeit, die sich nicht jeder nehmen möchte. Tofu selbst herzustellen ist wohl nichts für jedermann. Aber du kannst schon sehr viel Müll einsparen, ohne dass du ein Fünkchen mehr Zeit investierst. Dein Gemüse lose zu kaufen, zum Beispiel, verbraucht nicht mehr Zeit, aber ein riesiger Müllberg fällt sofort weg.

Da ich das Argument nur zu gut nachvollziehen kann, versuche ich meinen Blog zunehmend umzugestalten, damit es für dich möglichst einfach wird, die Informationen zu bekommen, die du benötigst. Schau doch mal in der Waste Gallery vorbei.

Ich kann mir das nicht leisten.

Manchmal musst du in der Tat tiefer in die Tasche greifen, weil du dir das ein oder andere Besondere besorgen musst. Je weiter wir unsere Bewegung verbreiten, desto normaler werden aber auch solche Produkte und immer mehr Anbieter werden den Preis senken.

Zum Glück ist es aber gar nicht grundsätzlich der Fall, dass du durch einen Zero Waste Lebensstil mehr Geld ausgibst. Ganz im Gegenteil. Deine Reinigungsmittel selber herzustellen spart viel Geld, Einwegrasierer kosten mehr Geld, als ein Dauerrasierer, all die Wegwerfprodukte wie, Servietten, Taschentücher, Küchenrollen, Spüllappen und Feuchttücher brauchst du überhaupt nicht mehr zu kaufen. Auf Spezialwaschmittel, Toilettensteine, Faltencreme kannst du ebenfalls verzichten. Wieso kaufst du Wasser, wenn das aus der Leitung mindestens genauso gut ist?! Und die wahrhaft teuren Produkte, die dir am Monatsende den Blick auf dein Konto vermiesen, sind die fiesen, kleinen Dinge zwischendurch: Der einzeln verpackte Schokoriegel an der Kasse, die Dose Redbull an der Tankstelle, die Nachos im Kino…

Fazit: Einzelne Produkte mögen teurer ausfallen, aber da du viel weniger Produkte brauchst, kommst du unterm Schnitt günstiger weg.

Wenn du mit der Zeit erkennst, dass du dir nicht zu jeder Saison neue Klamotten kaufen musst und gebrauchte Produkte bevorzugst, kannst du gleich mal deinen Vollzeitjob auf ¾ umstellen, weil du nicht mehr weißt wohin mit deinem Geld.

Links:
Mindfully.org – Plastik in the sea

Nabu – Plastikmüll und seine Folgen

WWF – Unsere Ozeane versinken im Plastikmüll

Wikipedia – Ökobilanz der Aluminiumgewinnung

Giftigkeit von Kunststoffen – Ein Pdf mit der genauen Auflistung der verschiedenen Kunststoffarten und dessen gesundheitsgefährdendes Potential

One Response to FAQ – Wozu der Quatsch?

  1. Christiane Hoffmann says:

    Sehr, sehr schöne Zusammenfassung! Danke!

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